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Mitrbeiterbrief von Celanese: 29 November 2006
Mitarbeiterbrief von Lyndon Cole und Joachim Gersdorf an die Belegschaft des Werkes Kelsterbach
Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie darüber informieren, dass für den seit fünf Jahren anhaltenden Konflikt zwischen der Ticona Kelsterbach und der Fraport im Zusammenhang mit dem Flughafenausbau Frankfurt endlich eine Lösung gefunden wurde:

Die Ticona Kelsterbach wird verlagert!

Die Entscheidung wurde den meisten von Ihnen heute von dem Vorstandsvorsitzenden der Celanese AG, Dr. Andreas Pohlmann und dem Präsidenten der Ticona, Dr. Lyndon Cole, persönlich mitgeteilt und erläutert.

Hier die Entscheidung noch einmal in schriftlicher Form zu Ihrer umfassenden Information:

  1. Wir bauen schnellstmöglich eine neue Anlage in Deutschland

  2. Wir beenden den Betrieb in Kelsterbach bis Mitte 2011

  3. Die neuen Anlagen übernehmen spätestens ab diesem Zeitpunkt vollständig die bisherige Gesamtproduktion der Ticona Kelsterbach und stellen somit eine kontinuierliche Bedienung unserer Kunden

  4. Die gesamte Verlagerung ist für die Ticona kostenneutral, d.h. die Kosten hierfür übernimmt die Fraport

  5. Fraport garantiert die Übernahme sämtlicher Mitarbeiter, die aufgrund der Verlagerung ihren Arbeitsplatz verlieren
Natürlich werden Sie besonders zwei Fragen beschäftigen:

Was bedeutet dies für Sie, die Mitarbeiter?

Hierzu kann gesagt werden, dass alle Mitarbeiter, die nicht unmittelbar zu den in Kelsterbach angesiedelten Produktionsbetrieben gehören, keine großen Veränderungen zu erwarten haben. Das Unternehmen beabsichtigt, alle nicht produktionsgebundenen Arbeitsbereiche im Rhein-Main-Gebiet zu belassen.

Für die neu zu errichtenden Produktionsanlagen wird ab sofort mit Hochdruck nach einem neuen Standort gesucht. Ein Team von Experten, das vor Ort von Dr. Gersdorf koordiniert wird, beginnt jetzt einen offenen Bieterwettbewerb. Dabei werden die in Frage kommenden Standorte anhand klar definierter Kriterien geprüft. Auch der Industriepark Hoechst wird einer genauen Prüfung unterzogen werden.

Selbstverständlich sehen wir die Vorteile, wenn das bestehende Team der Produktionsmitarbeiter auch die neuen Anlagen fahren könnte. Wir werden diesen Aspekt natürlich als ein sehr wichtiges Kriterium in die Überlegungen zum neuen Standort einbeziehen. Nichtsdestotrotz werden wir die Entscheidung nicht sofort, sondern erst nach der vor uns liegenden Prüfung treffen können.

Warum hat das Unternehmen die juristischen Auseinandersetzungen gegen die Nordwestbahn aufgegeben?

Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Sie ist aber - um das gleich vorweg zu sagen - alternativlos.

Herr Dr. Pohlmann und Herr Dr. Cole haben es heute Vormittag ausführlich erläutert: Es ist der feste Wille der Landesregierung, die Nordwestbahn zu bauen. Unsere von Anfang an gleichlautende Kritik, wonach das Nebeneinander der Ticona Kelsterbach und der Landebahn Nordwest aus Sicherheitsgründen unzumutbar ist, wird zwar inzwischen akzeptiert, gleichzeitig zeichnet sich aber eine Entscheidung für Nordwest ab. Das bedeutet in der Konsequenz, die Behörden bewerten das öffentliche Interesse am Ausbau des Frankfurter Flughafens höher als unser Interesse am Standort bleiben zu können. Dies wird im Planfeststellungsbeschluss dazu führen, dass die Verlegung der Ticona angeordnet werden wird.

Als Unternehmen kann es uns aber nicht in erster Linie um das Rechthaben gehen. Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass eine einvernehmliche Verlagerungslösung einer Zwangsmaßnahme vorzuziehen ist, weil wir uns allein damit in der Lage sehen, unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Kunden hundertprozentig zu erfüllen und damit unser Geschäft ungefährdet erhalten zu können.

Wir bitten Sie, diese Entscheidung zu akzeptieren.

Sie werden viele Fragen haben. Wir werden uns bemühen, soweit dies uns bereits möglich ist, alle Ihre Fragen zu beantworten. Über die laufenden Entwicklungen und natürlich auch über die Arbeit des Standort-Findungs-Teams werden wir Sie zeitnah informiert halten.

Die getroffene Entscheidung bewertet die Unternehmensleitung zwar als schmerzhaft, doch im Ergebnis positiv. Auf Dauer lässt sich ein so dynamischer Chemiestandort wie unser Werk Kelsterbach nicht führen, wenn die Unternehmensplanung sich nicht nach eigenen, sondern nach den Belangen eines Planfeststellungsverfahrens zu richten hat. Es ist gut, dass wir jetzt wissen, wie es weitergeht.

Die nächsten viereinhalb Jahre werden uns allen sehr viel an Disziplin und Kraft abverlangen, um diese gewaltige Aufgabe erfolgreich zu meistern. Motivation und Engagement sind gerade in dieser Übergangszeit für eine erfolgreiche Zukunft unseres Geschäftes von herausragender Bedeutung. Die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden und ein dauerhafter Fokus auf Sicherheit in allen Arbeitsbereichen sind jetzt wichtiger denn je.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen
Lyndon Cole Joachim Gersdorf


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