BÜRGERINITIATIVE für Umweltschutz 1975 e.V.
Eddersheim
Pressemitteilung: 06. Mai 2009
Flughafenausbau zerstört weltbekanntes archäologisches Bodendenkmal
Dem weltbekannten archäologischem Bodendenkmal Kelsterbacher Terrasse“ als Fundstelle der Lady von Kelsterbach“ im Kelsterbacher Mönchwald droht ab 8. Mai die endgültige Zerstörung durch den Flughafenausbau. Behörde verweigert Schutz des Bodendenkmals.
Die BfU bittet Sie in einer für viele Leser interessanten und archäologisch
brisanten Angelegenheit um Berichterstattung.
Es betrifft mehrere eiszeitliche Funde im Kelsterbacher Mönchwald. Eines der
Fundstücke ist der altsteinzeitliche Schädel (Cranium) der Lady from
Kelsterbach“, dem berühmten Kelsterbach-Hominiden. Hierüber hat die Presse
bereits im Januar unter dem Titel Verhindert Lady from Kelsterbach den
Ausbau?“ erstmals berichtet (Mainspitze vom 23.01.2009).
Da die Fundstätte, die Kelsterbacher obere Main-Niederterrasse (Mönchwald)
derzeit unter der gewaltigen Betondecke der geplanten vierten Landebahn des
Frankfurter Flughafens zu versinken droht, hatte unsere Bürgerinitiative am
16.04.2009 einen umfangreich begründeten Eilantrag an die Hessischen
Denkmalschutzbehörden gestellt (zust. Dr. Göldner, AZ A-1.5 DA 328/2009,
Tel. 06151-165816).
Das Landesamt für Denkmalpflege sah zum Erstaunen der BfU mit Schreiben
vom 20.04.2009 keine Möglichkeit des Eingreifens“, da die eigentliche
Fundstelle
bei der Auffindung durch den Kiesabbau zerstört“ worden sei. Es
gäbe seit 1952 keinerlei Anzeichen auf weitere eiszeitliche Relikte“, zum
Anderen läge die Fundstelle außerhalb des von der geplanten Landebahn in
Anspruch genommenen Areals. Landesamtsarchäologe Dr. Holger Göldner musste
jedoch zugeben, dass ihm bei seiner Schnellanalyse keinerlei
Originalunterlagen“ zur Verfügung standen. Die BfU legte mit
Widerspruchschreiben vom 22. April 2009 weitere Beweismittel nach. BfUVorstandsmitglied
Wolf: Die BfU-Eddersheim fordert die FRAPORT nicht
nur wegen des schwebenden denkmalrechtlichen Verfahrens zum sofortigen
Baustopp auf!“ Der zuständige Landesarchäologe Prof. Dr. Schallmayer ist
derzeit mit dem Fall befasst. Skandalös ist, dass die Fraport das Bodendenkmal
Lady from Kelsterbach/Obere Kelsterbacher Main-Niederterrasse“ in den
Ausbauunterlagen vollständig verschwiegen hat (Gutachten G1 UVS Teil III,
Seite 83, Tab. 11-3). Skandalös ist auch das offenkundige Desinteresse des
Landesamtes für Denkmalschutz. BfU-Vorstand Schuch empört: Jeder normale
Hausbesitzer würde gnadenlos mit einem Baustopp belegt, fände man
vorzeitliche Relikte in seinem Garten!“
Uns ist bekannt, dass die von Herrn Prof. Protsch vorgenommene C14-
Schädeldatierung der Kelsterbach-Lady angezweifelt wird. Inzwischen
verdichten sich aber die Hinweise, dass der fossile menschliche Schädel
tatsächlich um 30.000 Jahre alt ist. Damit droht zur Stunde der Untergang der
bedeutendsten europäischen Fundstätte der Paläo-Anthropologie. Es existiert
die Datierung eines amerikanischen Radiokarbon-Labors, welches der Dame von
Kelsterbach“ ein beachtliches Alter von immerhin 29.000 Jahren bestätigt. Der
Greifswalder Archäologe Dr. Thomas Terberger - der Hauptkritiker von Prof. Protsch - konnte trotz mehrfacher Nachfrage keinen Nachweis für seine der
BfU gegenüber geäußerten Behauptung erbringen, die Zweitdatierung der
verschollenen Eiszeitdame Lady from Kelsterbach“ durch das Radiokarbonlabor
der Universität Los Angeles (UCLA) sei von oder über Prof. Protsch organisiert
worden“ !
Die bagatellisierende Behauptung des Landesamtes, es handele sich bei dem
Kelsterbach-Schädel“ um einen Einzelfund, trifft nicht zu. Am Mönchwaldsee
wurde in der Folgezeit auch ein zweiter Schädel, sowie weitere eiszeitliche
Mammutteile geborgen. Das ganze Ausmaß der Fundstelle kann erst nach einem
Baustopp genauestens archäologisch untersucht werden. Nach aktueller
Einschätzung beherbergt der zum großen Teil bereits gerodete Kelsterbacher
Mönchwald eine eiszeitliche Begräbnis- oder Schädelkultstätte, sowie den
offiziellen Fundort des ältesten anatomisch modernen Menschen in Europa
(Homo sapiens sapiens bzw. CroMagnon-Mensch).
Der Stadt Kelsterbach und der Region droht neben dem entsetzlichen Verlust
des Bannwaldes nun auch noch die Zerstörung einer unschätzbar wertvollen
Bodendenkmalsstelle der Menscheitsgeschichte. Die Fundstelle Lady from
Kelsterbach“ wäre neben der Grube Messel und den Keltengrab Glauberg
Hessens drittes Bodendenkmal mit Weltgeltung. Nun rächt sich die blindwütige
Eile, mit der Landesregierung und Fraport Rodung und Ausbau vorantrieben, noch
bevor das erste Wort in den bevorstehenden Gerichtsverhandlungen gesprochen
wurde.
Zurück