Pressemitteilung BARIG: 19.05.2009
BARIG zur anstehenden Hauptverhandlung des VGH Kassel - Ohne Nachtflüge keine Wachstumschance für Deutschland
BARIG erwartet in den kommenden Wochen eine grundsätzliche Weichenstellung für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes Deutschland.
BARIG erwartet in den kommenden Wochen eine grundsätzliche Weichenstellung für die Zukunfts-
und Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes Deutschland. Am 2. Juni beginnt die
Hauptverhandlung des Verwaltungsgerichthofes Kassel über das Planfeststellungsverfahren zum
Ausbau des Frankfurter Flughafens und die darin enthaltene Nachtflugregelung. Die Richter haben am
Rande der Verkündung ihres Beschlusses bezüglich der Eilanträge gegen den Flughafenausbau
im Februar bereits massive Zweifel geäußert, dass die in der Baugenehmigung für die
Flughafenerweiterung vorgesehenen 17 Nachtflüge einer rechtlichen Überprüfung standhalten.
Sie beziehen sich dabei auf den Landesentwicklungsplan Hessen 2000, mit der Änderung vom Juni 2005,
in dem keine geplanten Flugbewegungen zwischen 23 und 5 Uhr vorgesehen sind.
„Der
Flughafen Frankfurt ist lebenswichtig für die gesamte Volkswirtschaft Deutschlands“,
so BARIG-Generalsekretär Martin Gaebges. „Auch, wenn am wichtigsten deutschen Flughafendrehkreuz
Frankfurt nachts die Lichter ausgehen, kommt der Weltluftverkehr nicht zum Erliegen. Er würde lediglich
einen Bogen um Deutschland herum machen und andere Standorte nutzen“.
BARIG-Chairwoman
Christine Alig ergänzt: „Die europäischen Wettbewerber wie London, Paris, Amsterdam und
Madrid gewährleisten durchweg einen wirtschaftlich notwendigen Nachtflugbetrieb. Dagegen ist der
nächtliche Flugbetrieb auf deutschen Flughäfen schon jetzt stark beschränkt. Angesichts der
international aufstrebenden Konkurrenz in den Golfstaaten, die Milliarden von Euro in ihre Flughäfen
(z.B. Dubai World Central) investieren, darf Deutschland juristisch nicht zum wirtschaftlichen Tiefschlaf
verurteilt werden.“
Ein absolutes Nachtflugverbot am größten Kontinentalflughafen
Europas und dem siebtgrößten Airport der Welt hätte darüber hinaus auch auf Bundesebene
Signalwirkung. Dies würde die weitere Limitierung der Betriebszeiten an den nachts noch offenen
deutschen Flughäfen vorantreiben. „Die Position Deutschlands als eine der stärksten
Wirtschafts- und Exportnationen der Welt wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt und der Verlust von
Arbeitsplätzen billigend in Kauf genommen“, so Alig weiter.
Nachtflüge wichtig
für Logistik- und Feriendrehscheibe
Bei einem Stopp aller Nachtflüge wäre
insbesondere die Logistikbranche als drittgrößter Wirtschaftsbereich in Deutschland betroffen.
In der Cargo-City-Süd des Frankfurter Flughafens sind 250 Logistikunternehmen ansässig, über
140.000 Personen sind in der Rhein-Main-Region in der Logistikwirtschaft beschäftigt. Darüber
hinaus ist die Anbindung an Transport- und Verkehrsdienstleistungen und die weltweiten Verkehrsströme
ein zentraler Standortfaktor für in Deutschland tätige internationale Unternehmen. Auch diese
könnten in Zukunft auf andere europäische Standorte ausweichen. Lufthansa Cargo beispielsweise,
weltweit zweitgrößte Fracht-Airline, müsste mit weiteren massiven Einschnitten rechnen.
„Ein absolutes Nachtflugverbot würde die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Lufthansa
Cargo existenziell gefährden“, so Karl-Heinz Köpfle, Vorstand Operations der Lufthansa
Cargo AG.
Aber auch Ferienfluggesellschaften bleiben von der Nachtflugdebatte nicht verschont. Condor
beispielsweise, zweitgrößte Fluggesellschaft in Frankfurt nach Lufthansa, erzielt 20 Prozent
ihres Umsatzes mit Flügen, welche die Nachtstunden tangieren. „Bei einem Nachtflugverbot
würden die Preise für Urlaubsreisen deutlich steigen, denn ohne optimale Umläufe wären
die Ferienflieger gezwungen, für die gleiche Transportleistung mehr Flugzeuge vorzuhalten und zu
finanzieren“, so Christine Alig weiter.
Internationale Airlines, vor allem aus dem asiatisch-
pazifischen und nordatlantischen Raum, die auf flexible Flugzeiten aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen
und Produktionszyklen angewiesen sind, werden zu serviceorientierten europäischen Konkurrenten mit
Rund-um-die-Uhr-Betrieb abwandern.
BARIG fordert verlässliche Verbindungen im globalen
Wettbewerb
BARIG schlägt als Lösung die Einrichtung eines bedarfsgerechten
Lärmkontingentes für alle Nachtflüge verteilt auf das gesamte Jahr vor, wie dies z.B. in
München gehandhabt wird. Zu den bestimmenden Faktoren zählen dabei ein ausbalancierter Mix aus
der Zahl der Flugbewegungen, der Zusammensetzung des Verkehrs nach Flugzeugarten und Flugzeuggrößen
sowie das Verhältnis von Starts und Landungen. Je lärmarmer das Fluggerät, desto geeigneter
für Nachtflüge.
BARIG fordert daher eine klare und schnelle rechtsverbindliche Entscheidung,
in der das volks- und betriebswirtschaftliche Gleichgewicht des deutschen Luftverkehrs im internationalen
Wettbewerb oberste Priorität hat. „Wir müssen in der Lage sein, in der derzeitigen
Wachstumspause, die Chancen eines Konjunkturaufschwungs zu Gunsten des Wirtschaftsstandortes Deutschland
rechtzeitig zu ergreifen“, Martin Gaebges abschließend.
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